Aktivierung - Sinn und Gewinn?
Qualitätssteigerung für Bewohnende und Institutionen des Langzeitbereichs
Fachtagung vom Samstag, 30. Oktober 2010
„Aktivierung – Sinn und Gewinn?“ Dies war das Thema der Tagung für Fachpersonen in der Aktivierung, die vom Bildungsgang Aktivierung am medi Bern durchgeführt wurde. Die Institutionen im Alters- und Behindertenbereich stehen vor grossen Herausforderungen, weil für die ständig steigenden Anforderungen nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Tagung zeigte auf, dass eine gezielte Aktivierung Sinn und Gewinn für Bewohnende, Tagesgäste und deren Angehörige bringt – aber auch für die Verantwortlichen und für die Mitarbeitenden in den Institutionen.
Sr. Veronica Metzger
An der Fachtagung, die zum zweiten Mal in diesem Rahmen durchgeführt wurde, nahmen etwa 150 Personen aus dem Arbeitsbereich Aktivierung teil. Peter Berger, Direktor des medi, beschrieb das Spannungsfeld zwischen bedürfnisgerechter und kostengünstiger Aktivierung, in dem sich die aktivierende Alltagsgestaltung und die Aktivierungstherapie behaupten müssen. Die Bildungsgangleiterin Aktivierung, Christine Hefti Kraus, machte deutlich, dass der Spardruck, der in den Institutionen immer mehr zunimmt, besonders den Bereich Aktivierung betrifft. Dies äussert sich u.a. darin, dass vermehrt Stellenprozente eingespart werden müssen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind deshalb gefordert, die Aktivierung nach aussen sichtbar zu machen. Die Mitarbeitenden in den Institutionen aber auch das Umfeld müsse überzeugt werden, dass Aktivierung Sinn macht.
In den Worldcafés – Diskussionsforen für grosse Gruppen – galt es, stichhaltige Argumente für eine gehaltvolle Aktivierung zu finden. Engagiert bearbeiteten die Teilnehmenden Fragestellungen zu den Themen
– Aktivierung und Innovation (künftige Veränderungen des Berufsprofils)
– Aktivierung und Ökonomie (Umgang mit dem steigenden Spardruck)
– Aktivierung und Ethik (Erkennen der gelebten Ethik in der Institution)
Aktivierung ist ein unentbehrlicher, sinnvoller und gewinnbringender Teil des Ganzen.
Regula Schmitt, Geriaterin und Leiterin der Medizinischen Dienste der tilia Stiftung für Langzeitpflege, erläuterte die Bedeutung der Aktivierung aus geriatrischer Sicht.
Insbesondere komplexe Situationen würden eine gute Zusammenarbeit in multiprofessionellen, interdisziplinären Teams erfordern. Gerade die Fachpersonen in der Aktivierung würden sich durch ihre Professionalität und durch die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit als unentbehrlich erweisen. Einen Schwerpunkt legte die Ärztin auf die Problematik des künftigen Abrechnungssystems, nach dem Krankheiten nach Diagnosen abgerechnet werden. Die Lücken sind offensichtlich: Es kann nur abgerechnet werden, was quantifizierbar ist. Empathie und einfühlsame Kommunikation – ärztliche Qualitäten, die in Studien zur Patientinnen- und Patientenzufriedenheit besonders geschätzt werden, – werden dagegen nicht honoriert.
Aktivierung braucht grosse Flexibilität. Sie ist innovativ und professionell.
Ralph Bürge, Geschäftsführer der Stiftung Alterszentrum Lindenhof in Oftringen, zeigte die Situation der Aktivierung aus der Sicht der Heimleitung auf. Ausgehend von folgenden provokativen Fragen
– Aktivierung als Teil der Pflege?
– Aktivierung als notwendiges Übel?
– Aktivierung als Bastelstube?
begründete er, dass es eine professionelle, flexible und innovative Aktivierung braucht, die Einzelbegleitung ebenso beinhaltet, wie beispielsweise eine fahrbare Küche, Lotto spielen in einer kleinen Gruppe oder Grossanlässe.
Zu den häufigsten Diagnosen bei betagten Menschen in Institutionen zählen Demenzerkrankungen und Depressionen. Deshalb sind Gruppen- und Einzeltherapien wichtig. Die professionelle Aktivierung kann einen wichtigen Beitrag leisten, diesen Symptomen und Krankheiten zu begegnen. Dies ist umso bedeutsamer, als künftig mit einer Zunahme von Klientinnen und Klienten in der Geriatrie gerechnet werden muss, die an Demenz und an psychopathologischen Syndromen leiden.
Aktivierung beeinflusst den Aufbau von gegenseitigem Vertrauen positiv.
Lore Wehner, die Autorin des Buches „Sensorische Aktivierung“, zeigte Aktivierung mit Sinn und Gewinn aus der Sicht einer Organisationsberaterin auf eindrückliche Weise auf.
Aktivierung verbessert die Lebensqualität nachhaltig.
Judith Giovannelli-Blocher, Sozialarbeiterin und ehemalige Abteilungsleiterin an der Fachhochschule für Sozialarbeit in Bern, ermutigte die Teilnehmenden, mehr in die Offensive zu gehen und zu zeigen, welchen Beitrag die Aktivierung für ein erfülltes Leben im Alter leisten kann.
Mit den Tagungsbeiträgen wurden Sinn und Gewinn der Aktivierung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und differenziert begründet.
Die Referate sind auf der Website aufgeschaltet.
Marcel Briand, Pflegefachmann und Clown, moderierte die Veranstaltung gekonnt und sorgte für eine humorvolle und sensible Umrahmung der Tagung.
Lancierung des Posterwettbewerbes.
An der Tagung wurde ein Posterwettbewerb zu Angeboten in der Aktivierung lanciert. Es werden innovative Beiträge aus der Aktivierung gesucht, von denen die besten prämiert werden.
Einsendeschluss ist der 30. April 2011. Weitere Informationen und die Wettbewerbsbedingungen finden Sie auf der medi-website (vgl. Posterwettbewerb).
Zufriedene Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer.
Die Auswertung der Veranstaltung ergab, dass die Teilnehmenden von der Tagung profitiert haben und aus den Referaten und den Diskussionsforen Nutzen ziehen konnten – dies ist im Sinne der Veranstalterin und entspricht ganz dem Motto der Tagung „Aktivierung – Sinn und Gewinn?“.





